Nicht nur der klassische Büroalltag hat sich in den letzten Monaten der Corona-Pandemie anpassen müssen, auch Hochschulen und Universitäten setzen auf das Arbeiten von Zuhause aus. Wo sich normalerweise die Studenten auf dem Campus und in der Bib tummeln, herrscht momentan gähnende Leere. Vorlesungen, Seminare und Übungen finden online statt- Hausarbeiten und Klausurvorbereitungen müssen aus dem Wohnzimmer erledigt werden. Es wird im Sinne der Prüflinge entschieden heißt es, aber ist das wirklich so?

Neue Normalität

Egal, ob Ostfalia Wolfenbüttel/Salzgitter/Wolfsburg, TU Braunschweig oder Leibniz Universität Hannover, alle Unis haben ihren Veranstaltungsplan auf Online-Lehre angepasst. Was noch im März für ein ziemliches Durcheinander sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch auf der von Studierenden sorgte, ist nun Alltag. Durch Tools wie Zoom oder BigBlueButton können die Studenten an Seminaren teilnehmen und gegebenenfalls durch Einschalten des Mikros und der Kamera mitdiskutieren – und das läuft mittlerweile ziemlich gut. Der Stoff wird von Uni zu Uni unterschiedlich vermittelt. Häufig aber in Form von selbstgedrehten Videos mit eingeblendeten Vorlesungsfolien oder Live Veranstaltungen. Dabei bleibt das Video meist bis zum Ende des Semesters online verfügbar, sodass es jederzeit noch einmal angeguckt werden kann. Durch die Möglichkeit des Anhaltens der Videos, können detaillierte Notizen gemacht und Sachverhalte nachvollzogen werden.

Mit Hilfe der Kommentarfunktion können komplexe Inhalte diskutiert werden- die Studenten helfen einander. Meine eigene Erfahrung zeigt, dass dies sogar besser funktioniert, als in Präsenzveranstaltungen, da die Scham nochmal nachzufragen, nicht so groß ist wie live vor 150 Leuten. Auch die Bibliotheken haben neue Systeme entwickelt mit denen die Studenten, trotz geschlossener Türen, den vollen Zugang zur Literatur erhalten. Nicht online zugängliche Werke können nun angefragt werden, sodass die Mitarbeiter der Bibliothek die angeforderten Kapitel scannen und den Studenten per E-Mail zukommen lassen. Das kann zwar dauern, ist aber super bequem. Somit sind die Haus-und Abschlussarbeiten als eingereichte Prüfungsleistung vorerst gerettet.

Stellt sich nun nur noch die Frage, was passiert eigentlich im Juni und Juli, wenn normalerweise Klausuren geschrieben werden?

Auch hierfür gibt es jetzt eine Lösung. Der Prüfungszeitraum wird erst einmal verlängert und Klausuren mit Anwesenheitspflicht auf mehrere Termine und Räume ausgeweitet, um Massenveranstaltungen zu verhindern. Andere Fachbereiche gehen sogar noch weiter und lassen alle Prüfungen online schreiben. Dies bedeutet, keine Kontrollen und das Benutzen von Hilfsmitteln ist erlaubt.

Kann diese Form des Studierens Zukunft haben?

Meiner Meinung nach, ja. Ich glaube, dass diese Zeit zeigt, dass Studieren eigenverantwortliches Arbeiten bedeutet und wie gut es funktionieren kann.

Auch das Jobben nebenbei wird für Studenten einfacher. Die Uni kann an die häufig vom Arbeitgeber vorgegebenen Arbeitszeiten angepasst werden und nicht umgekehrt.

Trotzdem muss man Unterschiede zwischen den verschiedenen Studiengängen und Lernformen der Studenten machen. Ein Mittelweg wäre optimal. Man müsste den Studenten die Möglichkeit geben, live an einer Veranstaltung teilzunehmen oder sie sich online im Nachhinein anzuschauen, je nachdem welcher Lerntyp man ist. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Platz zum Kommunizieren und Diskutieren geboten wird. Sei es online oder offline- obwohl es schon schön wäre, sich bald auch mal wieder bei einem Mittagessen in der Mensa auszutauschen.