Tick Tack?, Trick Tick und Track? Nein, TikTok ist der Name einer neuen App, die mit aufsteigenden Verbreitungszahlen und wachsendem Erfolg auch zu einem interessanten Marketingkanal bei der B2C-Kommunikation werden kann. Mit rund 65 Millionen Usern allein in den USA ist die App erfolgreicher als die Social Media Apps von Facebook, Instagram, Snapchat und Youtube. Die aus China stammende Kurzvideo-App hat in den vergangenen Monaten für viel Furore gesorgt, auch in Europa und bei uns in Deutschland, wo TikTok bereits 4 Millionen aktive Anwender verzeichnen kann. Tendenz stark steigend. Gute Gründe einen genaueren Blick auf die unterhaltsame App zu werfen, um beurteilen zu können, ob diese eher für Werbezwecke, als auch zur Kommunikation im B2C-Bereich relevant sein kann.

Starke Präsenz

Abgesehen von den hohen Downloadzahlen wird es vor allem darum gehen, wie viel Engagement in der App stattfindet und wie gut es TikTok gelingt, die User auch zu halten. Dass TikTok nach der Übernahme von Musical.ly im vergangenen Jahr verstärkt westliche Märkte adressiert, zeigen beispielsweise auch die MT Europe Musik Awards, bei denen TikTok als einer der Hauptsponsoren auf der großen Bühne Präsenz zeigte. Damit war nicht nur der Start für eine breite medienwirksame Präsenz gegeben, sondern zeigte den europäischen Marken auch, wie relevant die App für das junge europäische Publikum ist. Laut TikTok, die mittlerweile Büros in Berlin und München haben, stehen aktuell Nutzerwachstum und Community-Building im Vordergrund. Man wolle den überwiegend jungen Usern einfach ermöglichen, in der Community von TikTok Spaß zu haben. Darüber hinaus hat man die etwas ältere und deutlich kaufkräftigere Zielgruppe im Blick. Das Anzeigengeschäft und die Entwicklung von monetarisierbaren Geschäftsmodellen stünden dagegen erst an zweiter Stelle. Immerhin experimentiert man bereits jetzt mit ersten großen Business-Partnern und Labels in Deutschland.

TikTok im Kommunikationsmix

Rein betrachtet von Seiten Media-Einkauf bietet TikTok bislang weniger als andere soziale Netzwerke. Im Feed selbst lassen sich Anzeigen gezeigt in bestimmten Sekundenlängen bis maximal 15 Sekunden Sichtbarkeit buchen. Wie bei Snapchat können Anzeigen auch als Lenses eingekauft werden, die in 2D, 3D oder AR verfremdet werden als Hingucker-Effekt. Ein jedoch bislang ausschließlich bei TikTok verfügbares Werbeformat sind die Hashtag-Wettbewerbe, bei denen Unternehmen zum Markenumfeld passende Aufgaben oder Herausforderungen starten. So hat zum Beispiel Huawei unter dem Hashtag #gönndirpsmart dazu aufgerufen, ein Duett mit dem entsprechenden Werbevideo zu drehen. Der Erfolg war enorm, denn über 52 Millionen Aufrufe brachte der Hashtag ein. Ähnlich wie bei Instagram können auch Brand-Takeover-Anzeigen gebucht werden, die beim Start der App für einige Sekunden gezeigt werden und sich mit einer Landing Page oder Herstellerseite verbinden lassen.

Top oder Flop?

Wie erfolgreich TikTok in Europa und in Deutschland sein wird, hängt meiner Meinung sehr davon ab, wie nachhaltig die Community mit immer neuen, spannenden und unterhaltsamen Themen belebt wird. Sonst ist der Reiz des Neuen allzu schnell vorbei und die Aufmerksamkeit geht auf neue Apps oder Communities, die sicher noch kommen werden. Zudem hängt der Erfolg auch von den bisherigen Big Playern und deren Weiterentwicklungen ab. Facebook stellte kürzlich seine sehr ähnliche App Lasso vor. Da Facebook einfach schon über eine stärkere und langjährigere Beziehung zu den Usern verfügt, wird es spannend sein zu sehen, wer im Haifischbecken der Social Media Apps bestehen kann.