Mit Begeisterung habe ich letzte Woche den Blogbeitrag meiner Mitarbeiterin Michaline Saxel gelesen und mir darüber ein paar Gedanken gemacht.

Ich komme aus einer etwas anderen Generation. Wir sind nicht mit Computern aufgewachsen und das Internet gab es damals noch nicht. Wir haben Platten gehört und saßen vor dem Radio in Lauerstellung, um die aktuellen Hits auf Cassette aufzunehmen. Ärgerlich war es, wenn der Moderator in den Titel „reingequatscht“ hat……. Informationen hat man nicht gegoogelt, sondern in Lexika oder Bibliotheken gesucht und oft nicht gefunden. Datenbanken gab es nicht und Karteikarten waren extrem wichtig. Gott sei Dank ist diese Zeit vorbei.

Und eins kann ich schon mal vorwegschicken: Ich finde die Informationsvielfalt und den Zugang zu Informationen heute viel einfacher. Auch das Arbeiten ist wesentlich leichter als noch vor 30 Jahren.

Akku leer?

Aber das ist eben nicht alles. In der Kommunikation mit Freunden spielte, zu meiner Ausbildungszeit, das Telefon eine besondere Rolle – und zwar das schnurgebundene, meist in hässlichem Grün oder Quietsch-Orange. Es gab nur eins für die ganze Familie – und wenn die Eltern es brauchten, war mal Pause. Das war nicht immer schön, hat aber dafür gesorgt, dass man nicht immer an der „Strippe“ hing, wie es damals hieß. Wir haben auch mal nichts gemacht und uns ab und zu sogar gelangweilt.

Heutzutage ist das anders, aber nicht immer schön. Jeder ist immer online, eine der größten Katastrophen, auch bei mir, ist es, wenn der Akku leer ist. Dennoch finde ich die ständige Verfügbarkeit problematisch, vor allem im Beruf. Früher gab es Küchenrunden, heute chattet man. Klar geht bei persönlichen Gesprächen in der Küche oder auf dem Flur Arbeitszeit drauf, aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass man nur kreativ arbeiten kann, wenn man auch mal Pausen hat – und die werden durch die ständige Verfügbarkeit stetig reduziert. Weil, wie meine Kollegin schon richtig schreibt, man sieht, wann jemand was gelesen hat oder eben nicht. Dadurch steigt die Kommunikations-Frequenz und das Informations-Karussell dreht sich immer schneller – bis man vielleicht mit Burnout aus der Kurve fliegt. Ist das erstrebenswert? Trägt das zur Produktivität bei? Ich meine nein.

Macht öfter mal Pausen!

Kinder und Jugendliche nutzen die technischen Geräte und Kommunikationsmöglichkeiten, die sich ihnen bieten – Handys, Tablets, e-Scooter. Alles was möglich ist, wird probiert. Das war zu meiner Zeit nicht anders. Es gab nur nicht so viel – siehe oben. Ich sehe heute Leute auf der Straße, die mich nicht sehen, weil sie auf Ihr Smartphone starren. Ich möchte denen sagen: “Macht mal Pause – schaut euch mal eure Umgebung an, oder achtet auf den Verkehr.“

Ich halte die modernen Technologien für einen Segen. Man muss aber damit umgehen können und einfach auch mal nicht erreichbar sein. Die heranwachsende Generation (und jetzt höre ich mich an wie „Opa erzählt vom Krieg“) muss dringend lernen, dass es eine Welt ohne Erreichbarkeit gibt. Dass Stille, Ruhe und auch mal Langeweile zum Leben gehören. Heute heißt das Digital Detox. Früher nannte man das – Entspannung.

Auch damals gab es Arbeitsüberlastung, das war schlimm und sicher oft behandlungswürdig. Es trat aber nicht so oft auf wie heute. Burnout war offenbar noch nicht erfunden.

Jeder sollte aber aufpassen, auch ich. Ich ertappe mich oft selbst dabei, wie ich morgens auf mein Handy schaue, tageschau.de, Facebook, Mails und WhatsApp checke und oft ist es das Letzte, was ich vor dem ins Bett gehen tue. Entspannung geht anders und, mal ehrlich, warum sollte ich noch eine schlechte Nachricht vor dem Schlafen gehen oder direkt nach dem Aufwachen lesen? Was die Verrückten der Welt anstellen oder angestellt haben, erfahre ich noch früh genug. Also aufs Handy öfter mal verzichten, auch ich.

Vielleicht löst man das aber auch mit einer App, in der man einen Nachrichtenfilter hat. Ich würde dann einstellen: morgens und abends – positiv, dazwischen gemischt, aber überwiegend positiv. Für Pessimisten gäbe es ein Add-on – apokalyptisch, das im Abo monatlich 50€ kostet – ich glaube, dann wären viele zufrieden.

Ich twittere noch ein wenig und bin dann für den Rest des Tages „AFK“ – versprochen.