Regelmäßige Leser unseres Blogs wissen, dass ich seit fast 20 Jahren Bahn fahre und dies auch gern tue. Kaum Unpünktlichkeit, in 20 Jahren nur vier Mal gestrandet, selten Klimaanlagenausfall – oft eher zu kalt.

Nur heute muss ich meinem Frust mal Luft machen.

Ich hatte heute Morgen noch etwas Zeit und begab mich in die DB-Lounge. Die ist bekanntermaßen BahnComfort-Kunden vorbehalten. Jeder Kunde mit der Erlaubnis die Lounge zu nutzen, darf noch jemanden mitnehmen. Das ist ja auch bei Fluglinien so ähnlich und es ist verständlich und angenehm, dass man Vielfahrern Vorteile einräumt.

Am Eingang zieht man seine Karte durch ein Gerät und erhält Zugang. Heute Morgen wurde ich aber Zeuge eines Vorfalls, der mal wieder zeigt, wie viel Potential nach oben die DB in Sachen Kundenfreundlichkeit noch hat.

Nur für BahnComfort-Kunden

Was ist passiert: Eine ältere Dame (81) die augenscheinlich nicht gut zu Fuß war und von ihrer Tochter begleitet wurde, fragte höflich und freundlich, ob sie den Waschraum benutzen dürfe. Sie wurde auf schroffe Art abgewiesen, mit dem Hinweis: Nur für BahnComfort-Kunden. Auf die Frage hin, wo sie denn dann hinsollte, hieß es nur lapidar: Nach draußen!

Ein Wort gab das andere, der Ton der DB-Dame wurde rauer, die beiden Damen waren verständlicherweise sauer. Wäre ich auch gewesen, zumal man eigentlich generell die Nutzung der Waschräume nicht verweigern darf, soweit ich mich erinnere. Schließlich ging die Dame mit Ihrer Begleiterin hinaus und wollte sich auf die Suche machen. Dank meiner BahnCard100 konnte ich das Problem beseitigen und die Dame mit in den Comfort-Bereich nehmen, wo sie den Waschraum aufsuchen konnte. Die DB-Mitarbeiterin sah es, hatte keine Einwände und tat, als ob nichts geschehen wäre. Auch eine Art der Konfliktbeseitigung.

Umgekehrte Wagenreihung

Danach ging ich zum Bahnsteig, um meinen Zug nach Braunschweig zu bekommen. Ich sah auf dem Wagenstandsanzeiger nach, wo mein Wagen zu finden wäre. Die Vorsicht lehrte mich, noch mal in der App nachzuschauen, ob die Reihung wirklich dem Wagenstandsanzeiger entsprach. Dort sah ich eine umgekehrte Wagenreihung. Auf der Anzeigetafel war nichts angezeigt. Das bedeutet, dass Menschen, die nicht so oft mit der Bahn fahren, erst kurz vor Abfahrt des Zuges erfahren, dass ihre reservierten Plätze genau im entgegengesetzten Teil des Zuges sind und sie daher dann ganz schnell von A nach G und umgekehrt hetzen müssen. Oft ist das in der Kürze der Zeit nicht mehr auf dem Bahnsteig möglich, sondern erst im vollen, engen Zug – nicht schön und schon gar nicht leicht, gerade für Menschen, die nicht so fit oder mit Gepäck, Kinderwagen und aufgeregtem Nachwuchs unterwegs sind. Von geteilten Zügen, bei denen ein Durchgang unterwegs nicht möglich ist, gar nicht zu reden. Also, alles ganz schön nervig, besonders für Gelegenheits-Bahnfahrer, aber auch für Profis. Bei einer frühzeitigen Anzeige und Durchsage am Bahnsteig lässt sich dieser Stress übrigens recht gut vermeiden, da alle genug Zeit haben, sich zu ihrem Wagen zu begeben. Aber, siehe oben, angezeigt an der Tafel war nichts, und die Einfahrt des Zuges stand kurz bevor.

Zweite Chance

Ich sah die komplette Zugbegleiter-Mannschaft rauchend im ausgewiesenen Raucherbereich – vorbildlich. Ich dachte mir: Eine zweite Chance für die DB. Freundlich fragte ich, ob es bekannt sei, dass der Zug umgekehrt gereiht sein wird und ob man nicht mal eine Durchsage initiieren kann, um das bevorstehende Chaos zu vermeiden. Der erfahrene Bahnkunde weiß was passierte… Richtig – nichts. Jeder der Zugbegleiter schaute in eine andere Richtung und ignorierte mich geflissentlich. War wahrscheinlich Pausenzeit.

Das Chaos war perfekt, als der Zug einfuhr. Ein- und Ausstiegszeit regulär sechs Minuten. Das Ende vom Lied: Verspätung vom Start weg 17 Minuten. Ob ich den Anschluss in Göttingen bekommen würde, stand in den Sternen.

Aber ich bin ja BahnComfort-Kunde. Kann also in die DB-Lounge und dort bequem auf den nächsten Zug warten. Die Stunde vergeht dann wie im Flug…. Ach ja, ich vergaß. In Göttingen gibt es keine DB-Lounge. Schade.

Danke für nichts – bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt „Thank you for travelling…“