Wenn ich ein Konzert besuche, dafür extra weit anreise und mich monatelang darauf freue, möchte ich es mit Haut und Haar und vor allen Dingen mit meinen Augen und Ohren volles Brett live erleben. Ich möchte dann einfach 100% dabei sein, mittendrin sein und das Erlebnis direkt genießen.

Ja, man kann Konzerte auch ohne Smartphone genießen

Deswegen verstehe ich es nicht, warum so viele Konzertbesucher zwischen sich selbst und dem Ereignis ein Smartphone schieben. Sie halten es hoch, versuchen den besten Winkel zu finden, machen ewige Videoaufnahmen und Fotos mit Blitz, der nur den Hinterkopf des Vordermanns erstrahlen lässt. Wenn sie nicht mit dem Ausbalancieren des Gerätes beschäftigt sind und dabei ununterbrochen auf den Bildschirm starren, tippen und verlinken sie wie wild. Ihrer Meinung nach, müssen die Momente direkt übertragen werden. Der Instagram Post muss besonders besonders werden. Und es muss auf so vielen Plattformen wie möglich erkenntlich sein, dass man dort ist. Zum Teil auch wenn man überhaupt nichts für die Musik übrig hat, aber gerne ein neues bad hair day pic mit dem neuen Lipgloss auf den Lippen loswerden möchte…, was in rockiger Atmosphäre natürlich einfach besser rüber kommt. Ist ja klar.

Fotoverbot bei Tool

Ich habe nichts geben ein, zwei Erinnerungsfotos. Vor allem nicht, wenn man einer bestimmten Person die vielleicht nicht dabei sein kann, Grüße senden möchte. Aber das dauert nur ein paar Sekunden und nicht mehrere Songs!

Die Band Tool hat den Smartphone-Süchtigen letzten Montag einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei Ihrem lang erwarteten Konzert in der Mercedes Benz Arena in Berlin wurde schnell klar: Das Handy bleibt in der Tasche.
Zahlreiche Schilder und Durchsagen untersagten lautstark das Fotografieren und Filmen. Tool gaben an, sich dadurch gestört zu fühlen und, dass die nicht möchten, dass die Geräte Einfluss auf deren Performance haben. Es liefen sogar Securities rum, die das überprüften. Fand ich großartig! Zu Beginn murmelten einige Besucher beleidigt herum, dass sie das schade und zu streng fänden und wenig später sah ich, wie zufrieden und frei sie zu ihrer eigenen Überraschung sein können.

Es war einfach eine wahnsinns Stimmung. Neben dem gewaltiger Sound konnten die Lichtinstallationen in voller Pracht wirken.

Macht doch euren Mist mit den Handys

Beim letzten Song hob der Sänger schlagartig das “Handyverbot” auf: ” Macht euren Mist mit den Handys”, sagte er leicht genervt.
Und da waren sie wieder die Bildschirme – ein Lichtermmeer aus Smartphones, dass sich jetzt, wie von der Band inszeniert, in der Arena ausbreitete.
Damit haben sie sich auch wohl selbst noch einen kleinen Gefallen in Sachen Social Media getan und haben einige Fans vor dem Platzen vor Ungeduld bewahrt.
Ich hätte es auch ohne geschafft. Deswegen musste ich mir das Foto, das ich hier einsetze, auch von einem Freund schicken lassen. 🙂

Wie sieht das bei euch aus? Schaut ihr mehr auf die Bühne oder mehr aufs Handy?

Mehr Infos zum Konzert selbst gibt’s z. B. hier:
https://www.bz-berlin.de/kultur/musik/konzertbericht-us-kultband-tool-rockt-berlin