(K)ein Plädoyer für die Bahn?

Einer der letzten Beiträge von Kollegen auf diesem Blog beschäftigten sich mit der Pünktlichkeit der DB und dem damit verbundenen Ärger.

Ich kann diesen Ärger verstehen, aber für mich nur bedingt teilen. Seit nunmehr 19 Jahren(!) pendele ich regelmäßig zwischen Braunschweig und München hin und her, meist wöchentlich. Dazu kommen Kundenbesuche, Messe- und Akquisereisen quer durch die Republik. Manche Woche halte ich mich mehr in Zügen auf als im Büro. Dabei habe ich festgestellt, dass sich die Verspätungen, zumindest auf den Strecken, die ich befahre, sehr in Grenzen halten.

Wenn ich pro Jahr insgesamt zwölfmal den Anschlusszug in Göttingen verpasse und ich eine Stunde zu spät in Braunschweig oder München ankomme, ist das viel. Schon deshalb gibt es für mich eigentlich keine wirkliche Alternative. Auto? Staugefahr viel zu groß. Flugzeug? Anreise nach Hannover und dann von Hallbergmoos nach Haus und umgekehrt, keinesfalls schneller als mit dem Zug.

So bleibt einfach die Bahn, mit der ich mich, wen wundert‘s, bestens auskenne. Wo sind BahnComfort Plätze im ICE 3? Wo wird es voll und ich brauche eine Sitzplatzreservierung, wo kann ich ohne weiteres in den Zug springen? Wann verstopfen Ferienreisende mit Skiausrüstung die Gepäckfächer? Alles eine Frage der Erfahrung. Am meisten amüsieren mich die Menschen, die nach dem Motto schimpfen: „Da fahre ich einmal mit der Bahn und schon habe ich Verspätung.“ Natürlich ist er ärgerlich, wenn man den Anschlusszug nach Buxtehude oder gar den Anschluss zum Flieger verpasst. Störend sind mitunter auch Raucher, die es nicht ohne Zigarette bis zum nächsten Bahnhof aushalten und ihrem Genuss dafür in der Toilette frönen – zur Freude aller Mitreisenden.

Ich schweife ab

Was für mich immer noch den Reiz des Bahnfahrens ausmacht, ist die Ruhe, mit der ich im Zug arbeiten kann. Auf den ICE-Strecken ist die Anbindung ans Internet bereits gegeben, sogar kostenlos. Es läuft stabil. Leider gilt das nicht fürs Handynetz – obwohl, das kommt einem konzentrierten Arbeiten ja durchaus entgegen. Keine Unterbrechung, außer der Schaffner kommt, oder jemand glaubt, ich säße auf seinem Platz. Selbst in der 2. Klasse, die ich aus Kostengründen nutze, wird man ab und zu mit Heißgetränken am Platz bedient – von München aus wenigstens. Was will man mehr? Mir hat das Arbeiten im Zug schon viel Wochenendarbeit gespart. Das möchte ich nicht missen. Beweis? Dieser Blogbeitrag entsteht zwischen Nürnberg und Würzburg am Dienstag vor der Abgabe am Mittwoch.

Schwer wird es sicher in den nächsten zwölf Monaten, wenn das Schienennetz saniert und ausgebaut wird. Da werde ich wohl auf die Strecke über Halle/Saale ausweichen müssen und 30 Minuten länger brauchen. Das Problem mit Baustellen hatte ich letztes Jahr über zwei Monate lang. Da war das Arbeiten mit Internetanbindung schwer, da es in den IC Zügen von Halle/Saale über Magdeburg nach Braunschweig und umgekehrt noch keinen Internetzugang gab. Das ändert sich jetzt. Und es bleibt für Notfälle immer noch der Hotspot des eigenen Handys.

Ich bin also weiter guter Dinge, wenn ich mich auch ab und zu über den Service an Bahnhöfen und in Zügen ärgere. Manchmal fehlen Höflichkeit und Kompetenz, wenn es um Auskünfte geht. Das mag aber bei großen Konzernen öfter vorkommen, nicht nur bei der Bahn – hörte ich.

Alles in allem habe ich mich hier gut arrangiert. Es ist für mich also nicht schlimm mit der Bahn zu reisen – ganz im Gegenteil. Obwohl ich nicht verhehlen kann, dass Verbesserungen jedweder Art immer willkommen sind.

In diesem Sinne – Thank you for travelling Deutsche Bahn!