Punkt 0 Uhr schlug an Silvester gerade wieder für viele die Stunde der guten Vorsätze. Wer da nicht mit nachvollziehbaren und naheliegenden Zielen wie „Mit dem Rauchen aufhören“ oder „Mehr Sport treiben“ punkten kann, dem bietet ein umfangreicher Kanon an Selbsthilfe- und Selbstoptimierungsliteratur reichhaltige Anleitungen. Was wird da nicht alles von uns gefordert, – wir sollen „achtsam“ sein, unser wahres „Ich“ finden, auf unsere „innere Stimme“ hören, „zu uns selbst finden“, Optimismus ausstrahlen und, – wenn alles nicht mehr hilft – wenigstens „positiv denken“!

Auch der moderne Imperativ nach ständigem Wandel und Wachstum wird hier gerne küchenpsychologisch verbrämt gepredigt – ein Rat, den sich offenbar gerne auch die stetig wachsende „Happiness Industry“ selbst gerne zu eigen macht…

Selbsthilfe-Ratgeber mal anders

So zierten den auch zu Weihnachten wieder viele Selbsthilfe-Ratgeber die Gabentische. Und ja – auch auf meinem lag ein solcher! Allerdings handelt es sich beim Buch „Pfeif drauf- Schluß mit dem Selbstoptimierungwahn (Stand Firm!-Resisting the Self-Improvement Craze) des dänischen Psychologie- und Philosophieprofessors Svend Brinkmann um ein eher untypisches Exemplar. Kurz, kurzweilig und provokant entwirft er eine „Alternative zur Kultur der Selbstoptimierung“. „Mit Scharfsinn und Humor entzaubert er zentrale Mythen der Selbsthilfeliteratur, die seiner Ansicht nach dem Seelenfrieden und dem Zusammenleben schaden. Mit einem Augenzwinkern stellt er ein Sieben-Schritte-Gegenprogramm vor, zu dem ihn die antiken Stoiker und andere Denker aus verschiedenen Zeitaltern inspirierten.“ (Psychologie Heute)

Selbstironisch nutzt der Autor so lediglich die äussere Form des modischen Ratgebers, um der „ewigen Nabelschau“ vermeintlich altmodische Werte wie Standfestigkeit, Prinzipientreue, Freundschaft, Verantwortung, Mitgefühl, Würde oder gar Höflichkeit entgegen zu setzen.

“Life Coaches” feuern

Statt ständig auf „Life Coaches“ zu hören, sich selbst zu suchen oder sich in Ratgeberliteratur zu vertiefen sollen wir uns dem Leben und seinen Verpflichtungen nüchtern und pragmatisch stellen. Und mal wieder einen guten Roman lesen!

Diesen Rat hab ich gerne befolgt über die Festtage! Und danach bin dann doch noch – Selbstoptimierung hin oder her – eine kleine Runde Joggen gegangen… 😉