Europa auf der Brust

Europa auf der Brust

Das Projekt „raubdruckerin“ verwandelt städtische Infrastrukturen europäischer Metropolen zu tragbarer T-Shirt-Kunst.

Bei unserer Arbeit für Kunden wie die Marke „Feuerwear“ und ihre Unikat-Taschen, -Beutel und -Rucksäcke aus gebrauchtem Feuerwehrschlauch treffen wir immer wieder auf dieses Phänomen: in Zeiten von gesichtsloser Massenmode und non-haptischer Digitalisierung auf allen Ebenen sind die Menschen fasziniert von authentischen, nachhaltigen und einzigartigen Stücken, die direkt aus der „anfassbaren“ Realität stammen. Einsatz- und Gebrauchsspuren machen das Unikat zu einem Stück erleb- und tragbarer Geschichte und so seine/n TrägerIn zu einem Teil davon.

Auf ein ähnlich faszinierendes Projekt stiess ich auf der Seite www.raubdruckerin.de:

raubdruckerin ist ein experimentelles Street-Printing-Projekt, das bereits seit 2006 Details der urbanen Textur ausgesuchter Städte auf Streetwear, Stoffe und Papier druckt und somit als ein persönliches Stück der Identifikation der Träger*innen auszeichnet. Gedruckt wird mit der Hand: auf Kanaldeckeln, Abluftgittern und sonstigen Reliefen, die die Infrastruktur der Stadtlandschaft hergibt. Dabei gilt der öffentliche Raum als Druckwerkstatt und Bühne für ausgefallene Motive, die im Alltag als solche gerne übersehen werden. Ein Abdruck der Stadt, der die Hektik der Massenproduktion wegnimmt und zudem ein einzigartiges Souvenir an den Leib der Menschen heftet. Schwerpunkt ist die Erforschung der Oberflächen von Städten, auf der Suche nach übersehenen, scheinbar unbedeutenden Details auf dem Bodenbelag, die sich als echte Stadtkunstwerke entpuppen. Sie zeigen unbemerkte Teile der Stadt, voller Geschichte, Vielfalt und Kreativität.“

Das Team von raubdruckerin bereist dabei europäische Metrolpolen und findet buchstäblich auf der Strasse die Motive. Objekte wie Gullideckel, Bodengitter oder gar eine Lastwagen-Waage in Barcelona werden dann mit wasserlöslicher, umweltverträglicher Farbe eingefärbt und zum Prägestempel für T-Shirts, Hoodies oder Beutel direkt vor Ort. Das ist sprichwörtlich „Street-Art“, nur andersherum.

Ein kleiner Ausschnitt der Stadt selbst wird in einem anderen Kontext zu neuem Leben erweckt. Mit dem Abdruck kann man die Stadt selbst quasi „auf der Brust“ tragen, wird Teil des Ganzen. Trotzdem bleibt jedes Stück ein Unikat, bei dem auf der Homepage jederzeit nachvollziehbar bleibt, wie, wann, wo und unter welchen Umständen es entstanden ist.

Ein Prozess, der nicht nur regelmässig Passanten zum Stehenbleiben verleitet, sondern auf viele Faszination ausübt: selbst wer im Kunstunterricht geschwitzt und geflucht hat beim Rumschnitzen an Linolschnitt-Vorlagen, stellt hier verblüfft fest wie „sexy“ dieses Verfahren sein kann…

Und kunsthistorisch Interessierte assoziieren vielleicht Anklänge an Frottage-Techniken bei Künstlern wie Max Ernst und anderen, wo ebenfalls Oberflächen und Untergründe als Motivgeber direkt in die Herstellung einbezogen wurden.

Die Verbindung zur Kunst kommt dabei nicht von ungefähr, denn Emma France-Raff, der Kopf hinter dem Projekt, entwickelte das Konzept, mit Kanaldeckeln zu arbeiten, gemeinsam mit ihrem Vater, dem Maler Johannes Kohlrusch, in dessen Atelier im ländlichen Alentejo (Portugal)

So entsteht tragbare „Street-Art“, die nicht nur einzigartig und authentisch sondern offensichtlich auch sehr begehrt ist. Dass dabei sowohl Textilien als auch Druckfarbe ökologisch und nachhaltig zertifiziert sind, versteht sich fast schon von selbst.

Ich schau gleich mal, welches der vielen tollen Motive aus Städten stammt, die ich auch schon bereist habe. Die passen bestimmt perfekt zu meinem Feuerwear-Unikat aus gebrauchtem Feuerwehrschlauch…

 

Von | 2018-06-14T20:30:50+00:00 14. Juni, 2018|Allgemein, Lesetipp, Wissenswertes|0 Kommentare

Über den Autor:

Projektassistent bei Profil Marketing seit 2016. Verantwortlich für Administration, Content, Kommunikation und Social Networking.

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