Folgende Aussagen sind uns PR-Beratern bei Profil Marketing seitens der Redaktionen nur allzu geläufig:

  • Ich benötige einen Artikel mit rund 6.000 Zeichen
  • Bitte liefern Sie mir einen Trendartikel
  • Bitte kürzen Sie den Text auf die wichtigsten Aussagen
  • Der Text ist zu lang – bitte weitere 300 Zeichen kürzen.
  • Liefern Sie mir mal eine Story….

Aussagen, die ich als Ex-Redakteur, in meiner Zeit bei Profil Marketing, mehr als befremdlich finde. Denn als ausgebildeter Journalist waren mir derartige Aussagen bzw. Forderungen, wie oben beschrieben, in meiner damaligen Verlagszeit absolut untersagt.

Denn bereits im Volontariat ist usus: Der Journalist recherchiert, kontaktiert und liefert auf diese Weise exklusive Informationen an seine Leserschaft. Der erstellte Text ist dabei zugeschnitten auf die jeweilige Publikation.


PR-Texte vs. Redaktionelle Texte

Die Anfertigung von Artikeln seitens einer PR-Agentur und ein Abdruck derselben fiel schon aufgrund der werblichen Floskeln, die Agenturen gezwungermaßen setzen, als auch aufgrund der fehlenden informativen Ausrichtung für uns Redakteure flach. Sofern wir diese Texte übernahmen, dienten diese nur als Grundgerüst für unsere Berichterstattung und mussten jeweils überarbeitet und mit notwendigen Key-Informationen erweitert werden.

Damit möchte ich nicht die Text-Arbeit von PR-Agenturen grundsätzlich schlecht machen. Aber letztendlich dienen wir in erster Linie als Kontaktvermittler zu den notwendigen Ansprechpartnern eines Unternehmens, sodass der Redakteur seine eigene Arbeit beginnen kann.

Die Zeit fehlt…
Doch heute ist dieses Vorgehen in der Medienlandschaft scheinbar immer weniger zu verzeichnen. Der Grund? Einige Aussagen, die wir erhielten:

  • Dafür fehlt uns die Zeit
  • Das ist uns zu aufwendig
  • Wen sollen wir denn dafür abstellen?

Eine für mich besonders interessante Aussage war auch: „Wir drucken ihren Artikel ab, dafür müssen sie uns aber schon den kompletten Text liefern.“

Redakteure oder Lektoren?
Was zum Teil verständlich rüberkommt, ist auf anderer Seite ein herber Rückschlag für den informativen Journalismus. Denn es stellt sich die Frage, ob Redakteure heute nur noch als Durchgangsstufe zur Grafik-Abteilung fungieren, die den fertigen Text übergeben und maximal auf Rechtschreibfehler prüfen.

Verlage in der Krise

Aber diese Vorgehensweise nur den heutigen Journalisten zuzuschreiben, wäre auch falsch. Massive Auflageneinbrüche bei jüngeren Lesern, das erschwerte Anzeigengeschäft, und die Konkurrenz zu neuen Medien führen zu verschärften Rationalisierungen der Verlage. Streichung von Leistungen für die Mitarbeiter und betriebsbedingte Kündigungen sind an der Tagesordnung.

Mit diesem „Trend“ ist der Verlust des informativen Journalismus nur allzu vorhersehbar und das „Handeln“ der Redakteure teilweise nachvollziehbar. Dennoch sollte dies auch keine Entschuldigung seitens der Redakteure sein keine qualitativ hochwertigen Informationen mehr zu liefern.

Standbeine des Journalismus
Von meiner Seite aus hoffe ich, dass „Nachrichten und Qualität“ künftig wieder die festen Standbeine des Journalismus werden. Doch dies wird davon abhängig sein wie gut oder wie schlecht die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Verlagen sind und wie wichtig meine Ex-Kollegen ihre Arbeit an sich nehmen.

Mein Beitrag soll jetzt keine Pauschalschelte gegen die deutschen Journalisten sein, da es natürlich auch immer noch viele Redakteure gibt, die ihre Aufgaben ernst nehmen und auf eigene Faust recherchieren und eigene Texte erstellen. Dennoch ist die oben aufgezeigte Entwicklung in den letzten Jahren sehr auffällig und sollte nicht unkommentiert bleiben.