Cinemagramme: Gelingt ihnen der Durchbruch in der digitalen Kommunikation?

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Cinemagramme: Gelingt ihnen der Durchbruch in der digitalen Kommunikation?

Bevor man über Cinemagramme redet, sollte man – zwecks Verständnis – vielleicht zunächst ein paar Worte über das gute alte GIF verlieren. Also kurz dazu: Ich mag GIFs (Grafikaustauschformat, Aussprache nach Erfinder [d͡ʒɪf], meist jedoch [gɪf]). Sie sind einfach herzustellen, schnell zu teilen, brauchen kein Flash, keine schnelle Internetverbindung oder Plugin-Gedöns und funktionieren super auf mobilen Endgeräten.
GIFs sind nicht nur weniger speicherplatzintensiv als tatsächliche Videos, sondern brechen eine Aussage oder eine Situation auf wenige Sekunden runter, was unserer immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne optimal entgegen kommt („oh, da blinkt was!“). In der Kürze liegt also die Würze. Außerdem sind GIFs oft ziemlich amüsant. Nicht im Sinne von „Ich lache laut los“, aber – richtig eingesetzt – treffen sie oft den Nagel auf den Kopf und bringen Fans/Follower/Leser in jedem Fall zum Schmunzeln.


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Erste Popularität haben GIFs bereits mit dem Aufkommen neuer Webbrowser Mitte der 90er Jahre erfahren („Website under construction“), von daher sind die bewegten Bilder alles andere als ein neues Phänomen. Vielmehr erlebt das alte Dateiformat seit einigen Jahren eine Renaissance. Diverse Blogs, Medien und Ausstellungen widmen sich den unterhaltsamen Mini-Frequenzen. Und dank Webseiten wie Giphy.com kann seit einiger Zeit auch der Laie mit wenigen Mausklicks zum Animator werden.

Einer der ersten, der das Potenzial der wiederentdeckten GIFs auch für Werbezwecke erkannte, war Mark Zuckerberg. Facebook unterstützt die animierten Bilder seit Mitte letzten Jahres. Das Resultat: Milliarden Facebook-Nutzer verbreiten mittlerweile zahllose Kurzclips und sorgen so für Interaktion auf der Seite. Und auch andere große und einflussreiche Unternehmen wie Apple oder Instagram haben sich des GIF-Trends angenommen und in ihrem Sinne weiterentwickelt.

Cinemagramme sind GIFs für Ästheten. Das GIF der Hochkultur. 

 

Aber nun zum eigentlichen Thema: Cinemagramme. Kurz und knapp würde ich sagen, Cinemagramme sind GIFs für Ästheten. Das GIF der Hochkultur. Sie sind irgendwie seltsame Zwischendinge, nicht mehr Foto und noch nicht Film, in jedem Fall erweitern sie die Sehgewohnheiten des Betrachters. Wie die Bilder in Zeitungen aus Hogwarts („hääää?“ – na Harry Potter!) – oder um es fachlich-versierter auszudrücken: ein vermeintliches Stillleben, in dem erst auf den zweiten Blick Bewegung herrscht.


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Wikipedia beschreibt Cinemagramme als Standbilder, die eine oft kleine, sich wiederholende Bewegung enthalten. Typischerweise ist das gesamte GIF bis auf ein oder zwei Elemente regungslos. Cinemagramme kombinieren also Fotografie und Video, um einen erstaunlichen Effekt zu erzeugen. Eine brillante, etwas subtile Koexistenz zwischen Bewegung und Stille.


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Cinemagramme werden erzeugt, indem eine Serie von Fotografien oder ein Video aufgenommen werden und mit Bildbearbeitungssoftware in eine sich endlos wiederholende Bildfolge gesetzt werden. Sie werden meist als animierte GIF Datei veröffentlicht, in denen neben dem feststehenden Bildteil auch die sich bewegenden Teile als Animation enthalten sind.

 

Die interaktivere Zukunft der Fotografie?

Viele sehen in Cinemagrammen die ersten Zeichen für eine interaktivere Zukunft der Fotografie. Ästhetische, animierte GIFs als Kunstform also. Die Sprachhüter der Oxford University Press kürten GIF sogar zum Wort des Jahres 2012 – nicht nur als Nomen, sondern auch als Verb. ‚Giffen‘ ist also eine längst anerkannte Kulturtechnik. Das Museum of Contemporary Art in Chicago veranstaltete 2012 eine GIF-Vernissage…


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…und die New York Public Library öffnete Teile ihres Archivs historischer Stereografien für die Nutzergemeinde, um aus den antiquierten Bildern animierte Dateien zu erstellen. Angesehene Projekte wie ‚Cinemagraph‚ kategorisieren und sammeln „Cinematic GIFs“.

 

Cinemagramme erweitern die Spielwiese für multimediales Storytelling 

Wenn ich an Cinemagramme in der Kommunikation denke, habe ich Visionen. Für mich erweitern Cinemagramme die Spielwiese für multimediales Storytelling. Mit einem animierten Bild kann der Blick auf ein wichtiges Detail gelenkt, dadurch mehr erzählt und Emotion effektiver transportiert werden als mit einem Foto.


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Ich denke da auch an multimediale Produktkataloge in denen Bilder auf einmal nicht mehr nur das Produkt zeigen, sondern besondere Features durch entsprechende Animation hervorgehoben werden können. Ein Cinemagramm ist weniger einnehmend als ein Video und gleichzeitig stärker wirkend als ein Bild. Es ist die perfekte Ergänzung für all jene Kunden, die Inhalte nicht gerne per Video konsumieren, sondern lieber lesen, aber gleichzeitig einen Mehrwert durch multimediale Inhalte erwarten. Meiner Meinung nach haben Cinemagramme also ein riesen Potential. Ich bin gespannt, wie viele das noch so sehen…

Von | 2016-12-22T14:59:52+00:00 30. September, 2016|Allgemein, Social Media|0 Kommentare

Über den Autor:

Freie Beraterin für Profil Marketing seit 2009. Verantwortlich für Beratung, Content und Social Networking.

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