Native Advertising: Die neue Königsdisziplin der PR-Branche?

Startseite/Allgemein, Public Relations, Social Media/Native Advertising: Die neue Königsdisziplin der PR-Branche?

Native Advertising: Die neue Königsdisziplin der PR-Branche?

Der Beruf des PR-Beraters befindet sich seit Jahren im Umbruch. Vorbei sind die Zeiten, in denen man PR-Texte guten Gewissens auch mal an halbwegs textsichere Praktikanten auslagern konnte. „Ja, fass halt einfach die Produktmerkmale zusammen und bau ein bisschen schöne Prosa drum herum“, – so in etwa lautete der Arbeitsauftrag für jeden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit benötigten PR-Artikel. Doch – zum Glück – befinden wir uns ja nun mitten in der Content-Revolution.  Sie fordert uns Kommunikationsexperten auf vielfältige Weise heraus, denn wir müssen die Kommunikation neu denken und neue, kreative Formate entwickeln. Inhalte sollen für die Leser jetzt relevant und sinnvoll sein und gleichzeitig die Ziele der Organisation fördern. Das klappt zum Beispiel ganz gut, wenn Inhalte an die Umgebung eines externen/neutralen Publishers angepasst werden. Native Advertising nennt sich das Ganze. Befürworter dieser speziellen Werbeform halten Native Advertising für die Zukunft des Online-Marketings (Native Ads sind für Adblocker in der Regel nicht zu erkennen und funktionieren auch mobil, also dort, wo Werbebanner kaum noch eine Chance haben). Kritiker sehen in Native Advertising Schleichwerbung, die die Glaubwürdigkeit der Medien untergräbt.

Native Advertising – kein neues Phänomen

 

Auch wenn das Format aktuell viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist Native Advertising eigentlich kein neues Phänomen. In vielen Printmedien werden seit Jahrzehnten Advertorials veröffentlicht, die – auch wenn sprachlich so neutral wie möglich formuliert – direkt aus den Unternehmen selbst stammen und dadurch natürlich tendenziöse Inhalte enthalten. Mit solchen Artikeln befinden wir uns im Grunde seit Jahren in einer Grauzone, denn wir bieten dem Leser zwar relevante Informationen, vermischen dabei aber bewusst Werbung und redaktionelle Inhalte. Im Online-Bereich wird Native Advertising von bekannten Online-Medien in der Regel sauber gekennzeichnet. Dann steht irgendwo ein Hinweis, dass es sich bei einem Text oder einem Video um einen „Sponsored Post“, „Paid Post“, „Sponsor Content“ oder „Service von“ handelt. Einige US-amerikanische Publisher setzen mittlerweile sogar komplett auf native Werbung, das bekannteste Beispiel ist Buzzfeed.

Für 70 Prozent der User ist es unwichtig, ob es sich um einen redaktionellen oder einen Native-Beitrag handelt 

 

Als PR-Agentur stehen wir Native Ads natürlich eher positiv gegenüber, auch wenn die Kritik teilweise gerechtfertigt ist. Auch ich kann nicht guten Gewissens argumentieren, dass durch die “saubere” Deklarierung der nativen Ads die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit eines Mediums völlig unangetastet bleibt. Denn man kann es drehen und wenden wie man will, der ureigene Sinn und Zweck von Native Advertising ist es nun mal, den Leser in die Irre zu führen. Und niemand möchte gerne getäuscht werden. Fakt ist aber auch, dass Native Ads nicht dadurch funktionieren, dass der Nutzer es nicht als Werbung erkennt. Um gelesen und geklickt zu werden, müssen Nativ Ads mit guten Inhalte überzeugen, nicht WEIL, sondern OBWOHL sie Werbung sind. In einer Native-Advertising-Studie der „Forward AdGroup“ gibt immerhin jeder zweite User an, Native-Inhalte hilfreich und ansprechend zu finden. Für 70 Prozent der User wäre es unwichtig, ob es sich um einen redaktionellen oder einen Native-Beitrag handelt, solange die Inhalte relevant seien. Im Vergleich mit Display-Werbung wirke Native Advertising angenehmer, informativer und interessanter, gaben die Teilnehmer der Befragung an. Ohne Relevanz und Mehrwert für den Nutzer geht also nichts – im Grunde doch eine Win-Win-Situation für Unternehmen, Publisher und Leser, auch wenn ein leichter Beigeschmack bleibt.  

Mit klar gebrandeten Inhalte punkten

 

Durch die Kennzeichnung eines Artikels als „Anzeige“ gehen Unternehmen und Publisher zumindest rechtlich auf Nummer sicher. Auch strategisch sehe ich darin eigentlich kein Problem, denn auch ein als „Anzeige“ deklarierter Text kann schließlich hervorragend gemacht sein und dadurch das Interesse der Leser auf sich ziehen. Alternativ können Unternehmen ihre digitalen Inhalte natürlich auch selbst produzieren und ohne externe Plattformen veröffentlichen, zum Beispiel in einem ansprechenden Online-Kundenmagazin, Unternehmensblog oder viralem Werbespot. Stimmt das Storytelling, werden auch klar werbende bzw. gebrandete Inhalte geklickt und verteilt. Ich persönlich würde diese Form der Content-Kreation der nativen Werbung vorziehen, denn so muss ich mich nicht dem Vorwurf der Schleichwerbung aussetzen und kann – wenn unterhaltsam und/oder informativ gemacht – trotzdem mit meinen Inhalten überzeugen.
Von | 2016-04-22T15:29:00+00:00 22. April, 2016|Allgemein, Public Relations, Social Media|0 Kommentare

Über den Autor:

Hinterlassen Sie einen Kommentar