Plädoyer für unkommunikative Social Media Berater

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Plädoyer für unkommunikative Social Media Berater

Ok ich gebe zu, die Überschrift ist etwas missverständlich. Natürlich darf ein Social Media Berater/Manager /Trainee/Praktikant nicht grundsätzlich unkommunikativ sein. Er muss schon Lust haben, Dinge nach außen zu tragen, sollte offen und neugierig für verschiedenste Themen sein und über Kreativität, Witz, Text-Erfahrung und ein gutes Sprachgefühl verfügen – die Frage die sich bei einem Social Media Berater allerdings für viele Kunden stellt lautet: Ist mein Social Media Berater eigentlich erst dann ein wirklich guter Social Media Berater wenn er als Privatperson zu den überdurchschnittlich aktiven Social Media Usern gehört?
Ich war in dieser Frage lange Zeit selbst sehr unsicher, mühte mich temporär und partiell immer mal wieder ab, regelmäßig eigenen Content zu generieren und so mehr Follower für meine privaten Seiten zu gewinnen. Aber Fakt ist: Das was mir beruflich (also die Hälfte des Tages lang) wirklich Spaß macht – nämlich im Web zu kommunizieren und Content zu erstellen, nervt mich im Privaten (meistens). So, jetzt ist es raus! Denn wenn ich im privaten einen schönen/lustigen/informativen Augenblick erlebe, möchte ich diesen nicht mit allen teilen, sondern für mich alleine genießen. Und ich will auch nicht ständig an den Timelines anderer Leute hängen und irgendetwas retweeten und/oder kommentieren. Ich habe zwei Kinder – die Dauerbeschallung im Real Life reicht mir völlig aus!

Berufliches und Privates darf man auch heutzutage noch abgrenzen!

 

Mittlerweile bin ich was meine in Teilen widersprüchlichen Ansichten angeht aber völlig tiefenentspannt und denke:“ Ja, ich kann ein guter Social Media Berater sein, auch wenn ich privat keinen großen Drang verspüre über die sozialen Netzwerke zu KOMMUNIZIEREN.“  Das Wort „kommunizieren“ schreibe ich bewusst groß, denn ich glaube, dass man nicht unbedingt privat im Web kommunizieren muss, um sich Kommunikationsexperte nennen zu dürfen, man muss aber in jedem Fall im Web AKTIV sein und über einschlägige Kommunikationserfahrungen (beruflich und/oder privat) verfügen – im Web und im RL. Im Web aktiv sein bedeutet für mich vor allem Lesen und Konsumieren und das natürlich auch in sozialen Netzwerken. Was gibt es aktuell für Trends, virale Hits, wie verbreiten sich einzelnen Inhalte, welche neuen Netzwerke/Apps gibt es und wie funktionieren diese. Um einen Account auf jeder einzelnen derzeit angesagten Social Media Plattform komme ich also nicht herum. Um aktive private Teilnahme aber meiner Meinung nach sehr wohl. Ist man hier anderer Meinung stellt sich die Frage nach der Abgrenzung von privaten und beruflichen Interessen dann ja eigentlich auch für andere Berufsgruppen. Ist eine Reinigungskraft nur dann eine gute Reinigungskraft, wenn sie auch zu Hause freudig den Besen schwingt? Ist eine Erzieherin nur dann wirklich gut, wenn sie eigene Kinder hat die sie in ihrer Freizeit liebend gerne bespielt und bespaßt?

Viele Follower KÖNNEN (vielleicht, möglicherweise) ein Indikator für einen guten Berater sein

 

Ich verstehe aber auch, dass es für Verantwortliche schwer ist, gute von schlechten Social Media Beratern zu unterscheiden. Was ist da einfacher, als mal schnell nach dem privaten Twitter-/Facebook-Account zu suchen und sich die Anzahl der Follower anzuschauen. Und sicher kann dies auch ein guter Indikator für die Fähigkeiten eines Beraters sein – muss es aber eben nicht. Zielgruppengerechte (Marketing-)Kommunikation lässt sich auf vielen Ebenen erlernen und ein hier aufgebautes Wissen kann – unter Beachtung spezifischer Anforderungen – oft universell eingesetzt werden. Hinzu kommen einige persönliche Eigenschaften die sich nur schwer erlernen lassen wie Kreativität, ein ausgeprägtes Koordinations-, Organisations- und Improvisationstalent und eine gewisse Hands-on-Mentalität. Manchmal entwickeln sich diese Eigenschaften über Jahre durch persönliche Weiterentwicklung – aber eher nicht durch das Posten von Inhalten in sozialen Netzwerken.

Kommt auch vor: Schlechte Berater tarnen sich als gute und die wirklich guten verstecken sich 

 

Mittlerweile durfte ich schon für einige Unternehmen im Social Web kommunizieren. Wer im Bereich Social Media aktiv ist weiß aber auch, dass sich ein Erfolg im Social Web nur dann einstellt, wenn im Unternehmen auch die internen Strukturen dafür geschaffen werden. Als externe Agentur kann man zwar beraten und viele Dinge anstoßen, wenn aber bestimmte Grundbedingungen nicht oder nur mangelhaft erfüllt werden, sind einem oft die Hände gebunden – egal ob man nun professionell erfahren und aktiv ist, unerfahren aber neugierig und motiviert oder ambivalent affin. Es gibt gute und schlechte Berater, schlechte die sich als gute tarnen und gute die privat in der Versenkung verschwinden. Mit wem man es zu tun hat, erkennt man meistens eh nur per ‘Trial and Error‘. Aber Kopf hoch, irgendwann ist bestimmt ein Glücksgriff dabei!

Von | 2016-02-12T12:25:00+00:00 12. Februar, 2016|Allgemein, Social Media|1 Kommentar

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Ein Kommentar

  1. Katia Grosjean 15. Februar 2016 um 10:54 Uhr- Antworten

    Wunderbar Sarah, Du sprichst mir aus der Seele und hast es mal wieder auf den Punkt getroffen!

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